· Benjamin Kötting · Cloud Operations · 3 min read
Self-Hosted vs. SaaS – Wann macht welcher Ansatz Sinn?
Die Entscheidung zwischen Self-Hosted und SaaS ist keine Religion, sondern eine Kosten-Nutzen-Rechnung. Ein pragmatischer Leitfaden.
“Wir brauchen alles self-hosted wegen Datenschutz!” vs. “SaaS ist immer günstiger und einfacher!” – Beide Aussagen sind Quatsch.
Die Wahrheit liegt dazwischen. Nach 50+ Projekten habe ich gelernt: Es gibt keine One-Size-Fits-All-Lösung. Es kommt darauf an.
Hier ist ein pragmatischer Leitfaden zur Entscheidung.
Die drei Entscheidungskriterien
1. Total Cost of Ownership (TCO)
SaaS scheint günstiger – bis man rechnet.
Beispiel n8n (Workflow-Automation):
- SaaS: 300-600 EUR/Monat bei mittlerem Volumen
- Self-Hosted: 16 EUR Server + 300 EUR Managed Service = 316 EUR/Monat
Ersparnis: 40-60% bei voller Kontrolle.
Aber: SaaS hat versteckte Kosten:
- Onboarding & Training: 2-4 Wochen
- Vendor Lock-In: Migration kostet später 10-20k EUR
- Preiserhöhungen: Durchschnittlich 15-20% pro Jahr
- Feature-Limits: Plötzlich braucht man den Enterprise-Plan
Self-Hosted hat auch versteckte Kosten:
- Setup: 8-16 Stunden initialer Aufwand
- Betrieb: 2-4 Stunden/Woche (wenn selbst gemacht)
- Updates: 2-4 Stunden/Monat
- Know-how: Team muss sich auskennen
TCO-Rechnung über 3 Jahre:
| Position | SaaS | Self-Hosted (DIY) | Self-Hosted (Managed) |
|---|---|---|---|
| Jahr 1 | 3.600 EUR | 1.200 EUR + 80h | 3.600 EUR + 16h |
| Jahr 2 | 4.200 EUR | 1.200 EUR + 40h | 3.600 EUR + 8h |
| Jahr 3 | 4.900 EUR | 1.200 EUR + 40h | 3.600 EUR + 8h |
| Total | 12.700 EUR | 3.600 EUR + 160h | 10.800 EUR + 32h |
Bei einem internen Stundensatz von 80 EUR:
- SaaS: 12.700 EUR
- Self-Hosted DIY: 3.600 EUR + 12.800 EUR = 16.400 EUR ❌
- Self-Hosted Managed: 10.800 EUR + 2.560 EUR = 13.360 EUR ✅
Fazit: Self-Hosted Managed ist oft der Sweet Spot.
2. Kontrolle & Compliance
Wann ist Self-Hosted zwingend?
DSGVO-kritische Daten
- Patientendaten (Gesundheitswesen)
- Personaldaten (HR-Systeme)
- Finanzdaten (Banking)
Branchen-Compliance
- KRITIS (Kritische Infrastruktur)
- Arzneimittelbranche (GxP)
- Öffentlicher Sektor (BSI-konforme Hosting-Anforderungen)
Vendor Lock-In vermeiden
- Strategische Systeme (CRM, ERP-Erweiterungen)
- Proprietary APIs = Gefahr
- Exit-Strategie muss existieren
Wann ist SaaS okay?
Nicht-kritische Tools
- Marketing-Tools
- Collaboration (sofern keine sensiblen Daten)
- Analytics
Standardisierte Prozesse
- E-Mail-Marketing
- Support-Tickets
- Zeiterfassung
Kurzfristige Projekte
- Proof of Concept (3-6 Monate)
- Saisonale Anforderungen
- Projektbasierte Teams
3. Betrieb & Know-how
Selbst betreiben macht Sinn wenn:
- IT-Team mit 20+ Stunden/Woche verfügbar
- DevOps-Know-how vorhanden
- Mehrere Self-Hosted-Tools bereits im Einsatz
Managed Service macht Sinn wenn:
- IT-Team hat keine Kapazität
- Kosten-Transparenz wichtig (Fixed Price)
- 24/7-Support benötigt
SaaS macht Sinn wenn:
- Kein IT-Team vorhanden
- Schneller Start wichtiger als langfristige Kosten
- Standard-Use-Case (keine Custom-Anforderungen)
Praxis-Beispiele: Was wir empfehlen
Szenario 1: Startup (5-10 Mitarbeiter)
Start: SaaS für alles Ab 20 Mitarbeiter: Strategische Tools auf Self-Hosted umstellen Ab 50 Mitarbeiter: Hybrid – SaaS für Commodity, Self-Hosted für Differenzierung
Szenario 2: Mittelstand (50-200 Mitarbeiter)
CRM/ERP-Erweiterungen: Self-Hosted (Managed) Workflow-Automation: Self-Hosted (Managed) Marketing-Tools: SaaS okay Collaboration: Hybrid (Nextcloud Self-Hosted + Google Workspace für E-Mail)
Szenario 3: Enterprise (200+ Mitarbeiter)
Policy: Self-Hosted First, SaaS als bewusste Ausnahme Betrieb: Inhouse-Team + Managed Service für Spezialsysteme Vendor-Management: Aktive Exit-Strategien für alle SaaS-Tools
Die Hybrid-Strategie (Best of Both Worlds)
Nicht entweder-oder, sondern:
SaaS nutzen für:
- Marketing & Sales (HubSpot, Mailchimp)
- HR-Recruiting (Personio, wenn DSGVO-konform)
- Support-Tickets (wenn Self-Hosted zu aufwändig)
Self-Hosted nutzen für:
- Workflow-Automation (n8n, Temporal)
- Dokumentenmanagement (Paperless-ngx)
- Datenbanken & APIs
- Business-kritische Prozesse
Der Schlüssel: Daten fließen über kontrollierte APIs, nicht über Vendor-Lock-In.
Entscheidungs-Framework
Stelle diese 5 Fragen:
Ist das System geschäftskritisch?
- Ja → Self-Hosted (Managed)
- Nein → SaaS okay
Sind die Daten DSGVO-sensitiv?
- Ja → Self-Hosted zwingend
- Nein → SaaS okay
Gibt es Exit-Optionen?
- Open-Source verfügbar → Self-Hosted bevorzugt
- Proprietary only → SaaS-Risiko bewerten
Was kostet es über 3 Jahre?
- TCO-Rechnung machen
- Hidden Costs einberechnen
Haben wir das Know-how?
- Ja → Self-Hosted DIY
- Nein → Self-Hosted Managed oder SaaS
Unser Ansatz: Sovereign Hosting
Wir glauben an Controlled Self-Hosting:
✅ Du behältst die Kontrolle – Daten, Zugriff, Exit-Strategie ✅ Wir kümmern uns um den Betrieb – Updates, Monitoring, Backups ✅ Transparente Kosten – Fixed Price, keine Überraschungen ✅ Open-Source bevorzugt – Kein Vendor Lock-In
Typischer Stack:
- n8n (Workflow-Automation)
- Paperless-ngx (Dokumentenmanagement)
- Hetzner/Netcup (Deutsche Rechenzentren)
- Docker-basiert (Portabel, Exit-fähig)
Ergebnis: 40-60% Kostenersparnis vs. SaaS, bei voller Kontrolle.
Fazit: Pragmatismus statt Ideologie
- SaaS ist nicht böse – für nicht-kritische Tools oft richtig
- Self-Hosted ist nicht kompliziert – mit Managed Service einfach
- Hybrid ist die Realität – nutze das Beste aus beiden Welten
Die Frage ist nicht “Self-Hosted oder SaaS?”, sondern “Was macht für dieses spezifische System, in diesem spezifischen Kontext, Sinn?”
Nächste Schritte:
→ ROI-Rechner: Self-Hosted vs. SaaS → Use Cases: Was wir hosten → Architekturgespräch buchen
Über den Autor: Benjamin Kötting betreibt Automation-Infrastrukturen für Unternehmen – Self-Hosted, aber Managed. Nach 50+ Projekten hat er gesehen, was funktioniert und was nicht.
- self-hosted
- saas
- cloud-operations